Grenzen im Netz: die häufigsten Web-Barrieren
Beim Thema Barrierefreiheit im Internet prallen Welten aufeinander: individuelle Gestaltung und Gesetzgebung, sozialer Verantwortung und kommerzielles Kalkül scheinen unvereinbar. Besuchen Sie doch einmal mit mir eine ganz normale Familie und staunen Sie, welch ungeahnte Schwierigkeiten der Besuch der schönen neuen Onlinewelt verursachen kann.
Darf ich vorstellen: Familie M.
eine "ganz normale Familie" und jede Menge Grenzen im Netz...
Lisa M. (42) Floristin und Gelegenheitssurferin
Barriere: geringe Gebrauchstauglichkeit
Die Gebrauchstauglichkeit einer Webseite spielt für sie eine große Rolle, wenn sie nicht versteht, was sie da findet, klickt sie einfach weiter. Ein wesentlicher Schritt in Richtung weniger Barrieren besteht darin, die Informationsstruktur möglichst einfach zu gestalten. Dazu gehört eine durchdachte, einheitliche Navigation und eine allgemein verständliche Sprache. Nicht jeder Besucher der Webseite hat einen Doktortitel in Kernphysik oder Betriebswirtschaftslehre.
Roland M. (37) Informatiker und Familienvater, farbenblind
Barriere: geringe Farbkontraste
und ungünstige Farbkombinationen
Für Sehbehinderte, zu dieser Gruppe zählen auch die zahlreichen Farbenblinden, stellen unüberlegte oder zu geringe Farbkontraste eine Barriere dar. Deshalb sollten Hintergrund- und Schriftfarbe so gewählt werden, dass zwischen ihnen ein deutlicher Hell-Dunkel-Kontrast besteht. Auch bestimmte Farbkombinationen erschweren den Zugang für Farbfehlsichtige wie z.B. Menschen mit Rot-Grün-Schwäche. Daher ist auf eine geeignete Farbkombination zu achten, roter Text auf grünem Grund, das geht überhaupt nicht.
Albert O. (72) Familienoberhaupt, extrem kurzsichtig
war früher leitender Angestellter, sein Enkel hat ihm einen Imac eingerichtet und er surft Fullscreen
Barriere:
zu kleine und nicht skalierbare Schriften
Für ältere Menschen und Sehbehinderte ist die Skalierbarkeit von Schriftenbesonders wichtig, weil sie oft mit geringer Bildschirmauflösung arbeiten. Zudem wird häufig die Darstellung über ein Großbildsystem oder Browsereinstellungen vergrößert. Dies erschwert zusätzlich die Bedienung der Internetseite. Alle Schriften (Überschriften und Fließtext ebenso wie Menüzeilen, Navigationsblöcke, etc.) sollen daher in relativen Maßangaben definiert sein, um sicherzustellen, dass der Nutzer die Schriftgröße von Text durch individuelle Einstellungen anpassen kann.
Tim M. (14) Schüler, Baseballfan und Handy-Junkie
Barriere: Optimierung für ein bestimmtes Ausgabegerät
Die BITV stellt Bedingungen, die ganz klar das Ziel Benutzerfreundlichkeit und Geräteunabhängigkeit haben. Die Richtlinien führen zu einer klaren Struktur der Inhalte, einer guten Lesbarkeit, und ermöglichen die Anpassung der Darstellungsgrößen an die unterschiedlichsten Ausgabegeräte. Ihr Angebot kommt also in Haushalten mit älteren Computern ebenso gut an wie in Firmen mit modernster Ausstattung oder auf dem PDA des Aussendienstmitarbeiters.
Andreas M. (19) Photolaborant, blind
Barriere: Fehlende Beschriftung
für Bild- und Tondateien
nutzt Screenreader, surft viel und gerne und ist auf eine alternative Beschriftung für Bilder angewiesen.
Alexander M. (43) ist der Bruder von Roland M. und Unternehmens- Berater in einem Großunternehmen. Der Administrator hat die Anzeige von Grafiken sowie das Ausführen von Skripten und Plug-Ins aus Sicherheitsgründen deaktiviert. So ist er, genau wie sein Neffe, auf Textalternativen angewiesen.
Für Nutzer auditiver oder textorientierter Software ist der Zugang zur Webseite ohne alternetive Beschriftungen für Bild- und Tondateien erschwert. Wenn zum Beispiel Texte als Grafik statt als Text abgelegt sind, fehlen wichtige Orientierungshilfen. Aber auch die Suchmaschinen können "nur Texte" erfassen und profitieren von einer vorhandenen Beschriftung.
Barriere: Unüberlegte Umsetzung
Neben der Gestaltung spielt auch die Programmierung eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von "Barrieren". Deshalb versuchen wir auch bei der technischen Umsetzung bestimmte Regeln einzuhalten und achten auf eine strikte Trennung von Layout und Inhalt. Dies ist natürlich nur ein kleiner und sehr persönlicher Einblick in die Thematik "Barrierefreiheit", alle Anforderungen des BITV sowie alle Gesetzte und Richtlinien finden Sie in verständlich aufbereiteter Form unter http://www.wob11.de/gesetze.html.

