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Barrierefrei: noch mehr Vorurteile

Zu langweilig, zu teuer, brauchen wir nicht - es ranken sich zahlreiche Vorurteile und Märchen um das Thema Barrierefreiheit. Eine kleine Auswahl würden wir gerne vorstellen, selbstverständlich mit dem Ziel, die Vorurteile zu widerlegen und die Vorteile einer möglichst barrierearmen Webseite heraus zu arbeiten.

"barrierefreie Seiten sind für behinderte Menschen"

Wenn Sie das Wort "barrierefrei" hören, denken Sie vermutlich automatisch an behinderte Menschen. An Rollstuhlfahrer? An Behinderten-Parkplätze und Rampen für Rollstühle? Vielleicht an Blinde oder an sehbehinderte Menschen, die mit einer Lupe vor dem Bildschirm sitzen?

Doch ist das vielleicht nicht die größte Gruppe, die von barrierefreiem Internet profitiert. Häufiger als visuelle oder motorische Barrieren sind mangelnde Kompatibilität oder unverständliche Texte die Ursache für ausbleibende Besucher. Barrierefreies Webdesign ist mehr als die behindertengerechte Anpassung von Webseiten. Die BITV stellt Bedingungen, in deren Mittelpunkt Benutzerfreundlichkeit und Geräteunabhängigkeit stehen. Menschen mit eingeschränkter Mobilität, mit Lern- oder Sehbehinderung profitieren genauso wie Farbenblinde, ältere Nutzer und auch Internetneulinge von einen möglichst barrierearmen Gestaltung.

"barrierefreie Webseiten sind nicht schön"

Barrierefreiheit sieht man nicht: Wie man beim Beispiel dieser Webseite anschaulich sehen kann, gibt es praktisch keine kreative oder technische Einschränkung in der Gestaltung barrierefreier Webseiten. Der gleiche Inhalt kann durch unterschiedliche Layoutvorlagen für verschiedene Ausgabegeräte optimal gestaltet werden - zum Beispiel für den Ausdruck oder für Mobiltelefone. Die Trennung von Inhalt und Gestaltung ist eine der wichtigsten Grundlagen für Barrierefreiheit im Internet.

"barrierefreie Webseiten brauchen eine Textversion"

Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Rathaus, um eine Broschüre abzuholen - möchten Sie dort über den Hintereingang zu einen Raum geführt werden, in dem die Ausgaben vom vorletzten Jahr herumliegen? Eine Textversion mag theoretisch Vorteile für die Benutzer von Screenreadern bieten, aber die Pflege erfordert einen erheblichen Mehraufwand. Und eine Textversion trägt sicher nicht den Bedürfnissen älterer oder farbenblinder Besucher Rechnung. Deshalb: Öffnen Sie den Haupteingang für alle Besucher!

"barrierefreie Webseiten sind teuer"

Planen Sie eine neue Webseite, den Relaunch eines vorhandenen Internetauftrittes oder gar die Einführung eines Content- Management- Systems, so ist der zusätzliche Aufwand vernachlässigbar. Gestalterische und technische Anforderungen werden einfach bei der Planung und Realisation berücksichtigt und verursachen so keine Zusatzkosten.

"CMS kann man nicht barrierefrei machen"

Auch Content-Management-Systeme sind heute in der Lage, sauberen und zugänglichen Quellcode zu erzeugen. Moderene CM-Systeme trennen das Layout vom Inhalt einer Webseite und erfüllen somit bereits von Hause aus eine wesentliche Vorraussetzung barrierefreier Webseiten. Der Grad der Barrierefreiheit hängt von der verwendeten Vorlage für das Layout, dem sog. Template ab. Es gilt, bei der Erstellung die gestalterischen und technischen Anforderungen einer barrierefreien Webseite zu beachten.